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Psychische Erkrankungen besprechbar machen

Interview mit Anna Feuerbach

    In dieser Episode spreche ich mit Anna Feuerbach über ihr Engagement, psychische Erkrankungen in der Gesellschaft breitflächig besprechbar zu machen. Jeder Mensch kann dazu beitragen, dass Betroffenen und Angehörigen ein Raum gegeben wird, in dem sie über ihre Erkrankung sprechen können.

    Anlaufstelle für Betroffene und Angehörige

    In diesem Podcast-Interview geht es darum, psychische Erkrankungen besprechbar zu machen. Solltest du selbst von einer psychischen Erkrankung betroffen sein oder Angehöriger sein, wende dich bitte an eine Anlaufstelle in deiner Nähe.

    Du kannst im ersten Schritt nach einer Beratungsstelle, die es deutschlandweit und teils auf ein Gebiet spezialisiert gibt, googlen. Mit einem Berater kannst du erstmal gut die Lage sondieren. Auch dein Hausarzt kann dir weiterhelfen und einen guten Therapeuten empfehlen. In Deutschland hat man jederzeit die Möglichkeit, auch ohne Überweisung, zu einem Therapeuten zu gehen. Die Warteliste kann hier allerdings lang sein. Dennoch müssen Therapeuten neuerdings per Gesetz offene Sprechstunden anbieten. Ansonsten kannst du auch (d)eine Krankenkasse anrufen und dich dort informieren.

    Das Schweigen brechen

    Anna hatte eines Tages keine Lust mehr zu schweigen. Nach ihrer Promotion im Bereich Medikamentenentwicklung kam sie in eine tiefe Krise und suchte sich therapeutische Hilfe. Sie fing an, über ihre psychischen Probleme zu sprechen, weil es wichtig ist. Psychische Erkrankungen gibt es häufiger, als man denkt. Sie wollte die Maske herunter nehmen und hat daher ihren Blog Seelenschluckauf gegründet, um ihre Geschichte nach außen zu tragen. Dieser Schritt hat Anna eindeutig sehr verletzlich gemacht. Allerdings kamen von außen Menschen auf sie zu und baten sie im Bereich Prävention und in der Arbeit mit psychischen Erkrankungen bei Betroffenen und Angehörigen aktiv zu werden. Dadurch, dass Anna über ihre eigenen psychischen Probleme sprach, hat sie eine Öffentlichkeit für ein Thema geschaffen, welches sonst oft unter den Teppich gekehrt wird.

    Darüber sprechen

    Seit etwa 1,5 Jahren ist Anna nun selbstständig und findet Wege, das Thema “Psychische Erkrankungen” gesellschaftlich besprechbar zu machen. Bei Betroffenen und Angehörigen herrscht oft Angst vor Vorurteilen und Ablehnung. Trotzdem und gerade deswegen müssen wir über psychische Erkrankungen sprechen – um mit den Vorurteilen aufzuräumen. Psychisch krank sein bedeutet nicht, dass man isoliert ist und ausgestoßen wird, dass man aus der Gesellschaft rausfällt, dass man nie wieder leistungsfähig ist.

    Ein erster kleiner Schritt ist, einfach mal drüber zu sprechen, wie es uns geht. Nach und nach mehr darüber zu reden. Wir sollten bedenken, dass es allerdings auch seine Zeit braucht, bis das Thema mehr ins Bewusstsein der Gesellschaft rückt. Wir sollten uns auch mitteilen, wenn es uns gut geht. Denn das hilft denjenigen, denen es gerade vielleicht nicht gut geht.

    Dem Ruf von außen folgen

    Nach ihrer Promotion und dem einhergehenden Tief hat Anna angefangen ehrenamtlich in sozialen Projekten zu arbeiten. Ihr damaliger Plan war es, wieder in einen Job einzusteigen. Dann sagte ihr jemand, sie solle doch ihr Engagement im sozialen Bereich weiter ausbauen. Sie fing an sich zu informieren. Einherging die Angst vorm Risiko, die große Frage, ob sie es kann. Sie stellte fest, dass der Schritt von der Arbeitslosigkeit in die Selbstständigkeit sehr gut gefördert wird. Mit dem Gründungszuschuss hat sie gemerkt, es wird real und sie hat eine gewisse finanzielle Sicherheit. Jetzt ist sie vor der Entscheidung, in ihrer Arbeit einen Fokus, einen Schwerpunkt zu finden. Anna folgte dem Ruf von außen, ihr Engagement im sozialen Bereich auszubauen und anderen Menschen in schwierigen Phasen zu helfen.

    Auf politischer Ebene muss einiges getan werden: Soziale Berufe sind unterbezahlt und in der Schule müsste das Fach „Seelische Gesundheit“ unterrichtet werden. Mit einer Mischkalkulation kann Anna auf mehreren Ebenen aktiv werden: auf der einen Seite auf gut bezahlten Fachkongresse sprechen und auf der anderen Seite Präventionsarbeit in Schulen leisten, die nur ein geringes Budget haben. So macht sie auch auf verschiedenen gesellschaftlichen Ebenen einen Unterschied und macht das Thema psychische Erkrankungen breitflächig in der Gesellschaft besprechbar. Wenn Anna könnte, würde sie das unglaublich geringe Selbstwertgefühl und Schuldgefühl von Angehörigen ausstellen.

    Durch ständiges Aus-der-Komfortzone gehen und immer wieder ins Kalte Wasser springen, wächst Anna persönlich und beruflich schneller als je zuvor. Sie weiß um ihr grandioses Engagement und gleichzeitig entwickelt sie sich selbst als Person weiter, wofür sie sehr dankbar ist. 

    Jetzt bist du dran!

    Aus jeder Episode ergibt sich für die HörerInnen eine kleine Aufgabe. Mach mit und schenke der Welt deinen wundervollen Beitrag!

    Deine Aufgabe

    Geh regelmäßig zu einer Veranstaltung, schließe dich Gleichgesinnten (z. B. über www.meetup.com oder im lokalen Verein) an und tausche dich aus. So merkst du, dass du Teil einer Gemeinschaft von Menschen bist, die dich für das, was du bist, anerkennt.

    Sieh dir hier das Interview auf meinem YouTube-Kanal an.

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