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Upcycling: Wenn Fahrradschläuche zu Taschen werden

Interview mit Dagmar Kinter

    In dieser Episode spreche ich mit Dagmar Kinter über Upcycling. Wir diskutieren, ob Nachhaltigkeit teuer sein muss und wie wir ihr ein positives Image verleihen können.

    Taschen aus abgefahrenen Fahrradschläuchen

    Dagmar ist Gründerin und Inhaberin von Tjuub Upcycling. Die Wortschöpfung ist dadurch entstanden, dass das deutsche Wort Tube so geschrieben auf Englisch lautmalerisch tjuub ausgesprochen wird. Dagmar näht Taschen und Accessoires aus Fahrradschläuchen, Gewebeplanen und Werbeplanen. Ihre Produkte vertreibt sie über ihren Online-Shop, Amazon und Etsy. Dagmar hat ihre Werkstatt zuhause und vertreibt gelegentlich auf Märkten, um das Gespür für ihre KundInnen und den Markt zu bekommen.

    Auf die Idee, aus Fahrradschläuchen wirklich praktisch brauchbare Dinge herzustellen kam Dagmar vor mehreren Jahren, als sie Sattelschoner für Fahrräder nähte und über ein Geschäft vertrieb. In diesem Laden stand auch eine Kiste alter kaputter Fahrradschläuche. Der Inhaber schlug vor, es sei doch toll, wenn man für sie noch Verwendung finden würde. Gehört, getan – und schon saß Dagmar an der Nähmaschine, um herauszufinden, wie man aus Fahrradschläuchen Taschen und andere Dinge herstellen kann. Interessanterweise riechen die Fahrradschläuche gar nicht nach Gummi. Sie werden bei Dagmar bei 60°C gewaschen und der Restgeruch verfliegt in der Bearbeitung. Das Material verhält sich in der Benutzung wie Leder: Es wird glatter und geschmeidiger.

    Bei Tjuub wird auf der Grundlage von bestimmten Werten gearbeitet. Allen voran Lokalität. Immer mehr Leute in der Gegend kennen Dagmar und bringen ihr Materialien vorbei; seien es Fahrradschläuche oder auch alte Segel vom örtlichen Segelverein. Ein weiterer Wert ist die Nachhaltigkeit. Die Kunden erwerben ein Produkt, welches lange hält. Außerdem zeigen die Kunden mit dem Produkt, dass sie umweltbewusst denken. Dagmar selbst benutzt Kartons für den Versand nicht nur einmal und hält die Verpackung minimalistisch.

    Nachhaltig gleich teuer?

    Dagmars Ansinnen war es, eine Tasche zu schaffen, die unter 100€ kostet und die sich jede/r leisten kann. Um das zu erreichen spart Dagmar z.B. am Marketing. So nimmt sie die Produktbilder für ihren Online-Shop nur einmal auf und setzt im Beschreibungstext die Information ein, dass die Taschen selbstverständlich einzigartig sind und daher etwas anders aussehen (können) als auf dem Bild. Das ist eine sehr clevere Lösung! Außerdem kalkuliert sie keine Großhandelspreise mit ein. Ihre Arbeit an den Produkten hat sie durch Aufgaben-Batching optimiert. So näht sie beispielsweise an einem Vormittag nur Reißverschlüsse ein und schneidet am Nachmittag neue Planen vor. Diese Arbeitsmethode ist sehr fokussiert, effektiv und effizient.

    Zunächst bekommt sie auf dem Markt die Rückmeldung, dass ein Produkt aber teuer sei. Wenn Dagmar dann den Entstehungsprozess erklärt, ändern die Kunden ganz schnell ihre Meinung. Es ist ihr sehr wichtig, ein Verständnis für den Preis zu erzeugen und über den Wert des Produktes aufzuklären.

    Nachhaltigkeit mit einem positiven Image

    Im Grunde heißt es Back to the Roots zu gehen, um für Wiederverwendung ein Verständnis aufzubauen. Es geht darum, dass Nachhaltigkeit und auch Upcycling ein positives Image haben, ohne dass wir hier vom reinen Trend sprechen, der nach ein paar Wochen wieder weg ist.  Es geht vielmehr um einen nachhaltigen Bewusstseinswandel. Hier braucht es Aufklärung und Information, aber auch Imagepflege fürs Wiederverwenden. Dagmars Produkte halten lange und am Ende sind sie daher sogar auch preisgünstiger, als wenn wir alle paar Wochen dem Trend nachjagen und eine neue Tasche zum Billigpreis kaufen.

    Mit Handmadefee möchte Dagmar auch andere Handmadeseller unterstützen. Außerdem schwebt ihr vor, mit Gefängnisinsassen und Behindertenwerkstätten zusammen zu arbeiten und sie in die Produktion der Upcycling Produkte einzubinden.

    Dagmar freut sich immer über Menschen, die ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit entwickeln und Raum für das Thema schaffen. So können auch Blogger und Podcaster solche Projekte gut unterstützen. Je mehr Menschen den Mut haben, die Vorteile von Nachhaltigkeit zu kommunizieren, desto besser!

    Jetzt bist du dran!

    Aus jeder Episode ergibt sich für die HörerInnen eine kleine Aufgabe. Mach mit und schenke der Welt deinen wundervollen Beitrag!

    Deine Aufgabe

    Wenn ihr Fahrrad fahrt und einen Platten habt, dann flickt ihn. Es geht ganz schnell.

    Habt immer eine Wasserflasche dabei, damit ihr unterwegs keine Plastikflaschen kaufen müsst.

    Sieh dir hier das Interview auf meinem YouTube-Kanal an.

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